Größen euphorisieren Regensburger Ringer

Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

REGENSBURG.Die Ringerstaffel des 1. AC Regensburg wandte die Augen nach rechts zu den Bildern, die per Computer an die Leinwand geworfen wurden. Das ungläubige Staunen war in der Turnhalle der Gerhardinger Schule in Stadtamhof offensichtlich. Die Mitglieder der Ringerstaffel sahen Bilder von vor ihrer Zeit – weit, ganz weit vor ihrer Zeit. „Meine Wenigkeit war da schon vorhanden“, sagte Werner Kober und erzählte von 1953. Das ACR-Gründungsmitglied wird im nächsten Frühjahr 94 Jahre alt, war 18 Jahre Abteilungsleiter und trug den Ringersport über viele Jahre als MZ-Mitarbeiter in die Öffentlichkeit. Kober erläuterte den Aktiven, wen sie da vor sich hatten: Mit Hans Huber und Roman Bierla standen erstmals gemeinsam zwei einstmals mit der olympischen Silbermedaille dekorierte Spitzenspieler in der Halle.

Weltberühmtheit als Gegner

Der Wenzenbacher Huber, inzwischen 81 Jahre alt, hatte 1964 im olympischen Finale von Tokio gegen einen gewissen Joe Frazier verloren, dessen Weltberühmtheit durch die späteren Kämpfe gegen Muhammed Ali bis in die heutigen Tage reicht. Der Pole Bierla, heute 58 Jahre alt, war 1980 im Schwergewicht im griechisch-römischen Stil Zweiter in Moskau. Er lebt seit vier Jahren in Regensburg, arbeitet als Elektriker und hilft bisweilen auch im ACR-Training mit.

„Ich war 25 Jahre als Ringer-Profi aktiv“, erzählt Bierla. „Es hat sich viel verändert. Das waren damals ja noch die klassischen Ostblock-Zeiten. Wir haben neunmal die Woche trainiert“, berichtet Bierla aus seiner Laufbahn. „Aber die Konkurrenz ist heute größer als damals“, sagt Bierla, der auch in der deutschen Bundesliga aktiv war. „Mit Wiesental haben wir in der Karlsruher Europahalle einmal das Finale verloren“, erinnert er sich.

Natürlich weckten Bierla und Hans Huber Erinnerungen en masse. Werner Kober schwelgte darin und ließ die Besucher Anteil haben, als „Hans Huber 1954 auch leicht verletzt mit nach Cham fuhr, weil man einen Gegner wie ihn eben fürchtete“. Und er berichtete, wie sich Huber mehr und mehr dem Boxen zuwandte. „Es hat uns wehgetan, dass wir auf unseren Schwergewichtler verzichten mussten.“ Huber hatte eine simple Begründung: „Die Gymnastik war da interessanter“, sagte Huber, der zunächst sogar dreiklassig fuhr und beim SV Wenzenbach auch noch Fußball spielte. Irgendwann aber wurde so ein Dreikampf eben auch einem Huber zuviel und für das Boxen sprach zudem, dass mit Winfried Dietrich, dem Olympiasieger von Rom und „Kran von Schifferstadt“, nicht weniger als eine Legende durchaus ein wenig im Weg stand.

Brückenschlag zur Gegenwart

Mit Erich Meier ehrten die ACR-Ringer noch einen verdienten Mann der Sechziger Jahre und schlugen auch die Brücke zur Gegenwart. Mohamed Katojev zog stolz mit seinem Pokal von dannen, den der Zwölfjährige für seinen bereits 200. Kampf erhielt. „Die ersten vier Kämpfe hat er verloren, dann nicht mehr“, sagt sein Jugendtrainer Falk Riebschläger.

All das Brimborium vor dem Kampf gegen den RCA Bayreuth wirkte auf die ACR-Ringerstaffel höchst anregend. Der eine Landesliga-Aufsteiger fegte den anderen Aufsteiger mit 30:4 aus der Halle. Der ACR gewann unter den kritischen Augen von Huber („Der kann nicht viel“) und Kober („So geht das“) von zehn Kämpfen neun und ist jetzt Tabellenzweiter. Am Mattenrand hüpfte Youngster Katojev begeistert mit und klatschte die Sieger ab. „Ach wäre es schön, wenn es hier mal 2. Liga oder Bundesliga gäbe“, hatte Roman Bierla vor dem Kampf geseufzt. Das freilich ist noch weit, weit weg für die Ringerstaffel des 1. AC Regensburg

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